49er Story: Malte Wesberg

„Ich hab‘ das Vertrauen der Trainer, von daher war es relativ schnell klar, bleiben zu wollen“
Artikel vom 11. Februar 2026
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Von Thomas Austermann
Der große personelle Cut vor der laufenden Serie mündete auch in der Erwartung, dass die drei von Westfalia Kinderhaus gewechselten Spieler schnell den Sprung von der Westfalen- in die Oberliga schaffen würden. Das haute hin. Fabian Witt, Felix Ritter und Malte Wesberg (Foto) avancierten im Sturm, Mittelfeld und Abwehr ganz fix zu Stammspielern der FCG-Ersten. Die beiden Letztgenannten haben gerade bereits ihre Abmachungen verlängert. Sportchef Jens Truckenbrod wertet: „Sie haben die Erwartungen mehr als erfüllt. Beide sind aktuell genau da, wo sie hingehören.“
Der 23 Jahre alte Malte Wesberg gilt eh nicht als wechselfreudiger Wandervogel. „Ich wollte mich in der Oberliga schnell einfinden. Das klappte gut. Ich hab‘ das Vertrauen der Trainer, von daher war es relativ schnell klar, bleiben zu wollen“, sagt der Innenverteidiger und Linksfuß, der einst in Roxel für den BSV die ersten noch kleinen Fußballschuhe anzog. Da ist er nicht der einzige Wesberg: Papa Uwe war über etliche Jahre mehr als ein Betreuer der BSV-Ersten, nach seiner Karriere für Preußens Zweite, den ESV oder die Borussia. Der drei Jahre ältere Bruder Henrik Wesberg verteidigte ebenfalls für Roxel, ehe es ihn Mitte 2023 zum SV Bösensell zog. Die Zwillinge Tim, der Torwart, und Finn, der Defensivspieler, sind noch als B-Junioren im Dress der JSG Roxel/Albachten aktiv.
Malte Wesberg schaffte es als Roxeler bis in die damalige Kreisauswahl – für den BSV und ihn eine große Sache. Zur U 13 Gievenbecks holte ihn Trainer Raul Prieto. Irgendwann fiel Wesberg dem SC Preußen auf, logisch. Unter Arne Barez, David Paulus und Janis Hohenhövel ging es in der U 17 wie U 19 erstklassig zu, für die Oberliga-Zweite in der von Corona gefärbten Serie 2021/22 folgten nur vier Ligaeinsätze. Spieler und Verein wussten, dass eine Zukunft kein Thema sein würde. „Ich wollte an den Ball. Da hab’ ich den vermeintlichen Schritt zurück gemacht“, wertet er und wählt das Wort „vermeintlich“ mit Bedacht. Mit Kinderhaus ging es zwar „nur“ um Westfalenliga-Punkte, aber „ich war sofort drin.“ Er sollte in drei Spielzeiten als Mr. Zuverlässig auf 83 Meisterschaftsspiele kommen. Wesberg verschweigt nicht, „dass es schon mein Anspruch war, als ehemaliger Preuße schnell klarzukommen. Und ich habe mir den Platz erkämpft.“
Auch in Gievenbeck. Das Gespräch, Wesberg hat das geahnt und grinst, muss kurz auf den dritten Spieltag kommen und den ersten Dreier durch das 4:2 über Schermbeck. In Minute 89 sah Wesberg die Rote Karte. Einen Elfer hatte er bereits verschuldet und zog später noch die Notbremse. Völlig untypisch für einen so klugen Abwehrmann wie ihn, der als Kinderhauser in drei Jahren genau eine Verwarnung kassierte, wie Statistiken aussagen. „Ich hab‘ mich echt geärgert damals. Ich weiß immer noch nicht, wie das passieren konnte – ziemlich dämlich auch für den Zeitpunkt, denn ich wollte ja Fuß fassen in der neuen Mannschaft.“ Das gelang ihm nach der Sperre auch sofort wieder. „Ich habe im Training alles gegeben!“ Und das immer nach getaner Arbeit. Wesberg gehört zu den wenigen voll Berufstätigen im Kader.
Der Bankkaufmann bei der Sparkasse Münsterland Ost kümmert sich am Standort Arkaden in einem fünfköpfigen Team um junge Kunden zwischen 18 und 30 Jahren. Zusätzlich stemmt Wesberg in der Sparkassen-Akademie eine Weiterbildungsmaßnahme. Bis zu zweimal monatlich muss samstags gebüffelt werden, um Betriebswirt zu werden. „Besser jetzt als später“, sagt Wesberg. „Ich bin noch jung genug, um die Zusatzbelastung schultern zu können.“
Der dreifach Geforderte klagt kein Stück über zu hohe Anforderungen. Gestiegen sind die in Gievenbeck zweifellos, eben anspruchsgemäß. „Der Kopf ist gefordert, ganz klar. Schon in der Vorbereitung aufs Spiel, auf die die Trainer großen Wert legen. Ich finde das sehr gut und stelle mich den Aufgaben. Ich habe wirklich was davon.“ Zumal er auf etliche Gegenspieler von individueller Klasse trifft. „Man hat es mit abgezockten Typen zu tun. Die wissen genau, wie es laufen muss, wie man ein Foul zieht.“ Wesberg bleibt hellwach und diszipliniert. „Ich versuche, gar nicht zu grätschen, sondern oben zu bleiben. Bis der Gegenspieler mir was anbietet.“ Seinen Vorwärtsdrang dosiert er mannschaftsdienlich. „Ich guck‘ immer, dass genug hinter dem Ball stehen. Andribbeln sollte man nur, wenn dafür Platz ist.“ Den Sinn fürs Kollektiv hätten alle ausgeprägt. „Das liegt auch am Klima hier. In der Kabine ist die Stimmung locker und cool. Im Spiel aber stimmt der Fokus absolut".
Foto: sportfotografie.ms
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