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49er Story: Leo Scheipers

Linksfuß Scheipers ist nach Auszeit wieder mittendrin - und schaut in die FCG-Zukunftsbrille

Artikel vom 7. Mai 2026

Der Artikel wird präsentiert von:

    Von Thomas Austermann

    Als Abwehrspieler Miclas Mende Ende Februar 2025 vor seinem letzten FCG-Spiel stand – und danach studienbedingt in Hamburg andockte – machte sich die unangefochtene Stammkraft wenig Sorgen um die Neubesetzung seiner Position. Mende sagte damals: „Es kommt die Zeit der Chancen für die jungen Spieler. Der Leo Scheipers scharrt ja schon mit den Hufen…“ Der etablierte Linksfuß vertraute dem noch „grünen“ Linksfuß. Mende sollte richtig liegen mit seiner Einschätzung. Wenngleich sein „Nachfolger“ Geduld brauchte, wie wir heute wissen…  

    Der 20 Jahre junge und 1,87 m große Scheipers (Foto) , der gerade seinen Gedankenprozess zur näheren sportlichen Zukunft beendete und „nach guten Gesprächen“ verlängerte, sammelte in der Vorserie noch 650 Minuten in elf Oberligaspielen. Er akklimatisierte sich ziemlich fix, was auf eine vielversprechende nächste Spielzeit hoffen ließ. Doch dann kam der 16. Juli 2025. Das auf Rasen angesetzte Vorbereitungsspiel gegen Westfalenligist GW Nottuln lief ohne Scheipers. Geplant war das anders. „Ich hab‘ im Training vorher schon ein bisschen was gespürt im Oberschenkel und wollte mich vor dem Test vorsichtig warm machen. Um zu gucken, was geht“, sagt Scheipers und hat die unheilvolle Bewegung noch präsent, „Ich schlug einen langen Ball und es schoss mir sofort komplett in den Oberschenkel.“ Erste Untersuchungen und eine Pause folgten, dann ein nächster Versuch im Test gegen Wettringen. Scheipers schlug einen Freistoß und zuckte wieder zusammen. Der Schmerz war wieder da, er brach den Einsatz ab. Nach sechs Wochen Pause wegen des Muskelbündelrisses, vorne im linken Oberschenkel „auch noch nahe an der Sehne“, hemmte eine Entzündung plus Flüssigkeitsbildung die Heilung. „Die Stelle wurde punktiert, ich bin regelmäßig zum Physio gegangen.“ Bis es Grünes Licht gab für den Einstieg in die leichte Belastung. „Die durfte ich dann immer weiter steigern.“

    Die Zeit verging langsamer, als es ihm lieb war. Die neue Elf hatte sich eingespielt. Ohne Scheipers. Der gab in der Halle sein Comeback unter den speziellen Bedingungen. „Ich wollte unbedingt, aber die Trainer waren nicht begeistert davon“, sagt Scheipers zur Skepsis von Torsten Maas und Steffen Büchter. „Verboten haben sie es mir nicht!“ Bei allen drei Auftritten war er dabei und feierte jeweils im Siegerteam mit. „Ich spiele gerne solche Turniere.“ Und Stadtmeister zu sein bedeutet ihm etwas. Draußen testete er Form und Verfassung und Vertrauen bei drei Einsätzen in der Zweiten. „Das war sehr wertvoll. Ich merkte schon, dass ich in mich hinein gehorcht habe. Ich musste erstmal klarkommen, aber nach und nach traute ich mir mehr zu.“

    Ins Oberligateam rückte er Anfang März als Einwechsler beim 1:1 gegen Lippstadt. „Richtig gut drin war ich erst mit dem Wattenscheid-Spiel“, wertet er selbst. Der gegen den Mann robuste Akteur verfügt über Defensivpower und Spielverständnis. Mit dem linken Fuß geht viel, mit dem rechten erfolgt allenfalls mal ein Zuspiel über ein paar Meter. „Ich vermeide es gerne, den Fuß einzusetzen", sagt er augenzwinkernd. Scheipers schlägt die Ecken von rechts dicht vors Tor, verlagert mit guten Pässen das Spielgeschehen und traut sich an Schüsse aus der Distanz ran. Sein Selbstvertrauen ist wieder da.

    Zur U 14 kam er nach Gievenbeck. Daheim in Laer im Kreis Steinfurt, wo er noch immer lebt, lernte er beim TuS das Kicken. Beim TuS Altenberge spielte er als E-Junior schon in der D-Jugend. Eine U-13-Serie beim SC Preußen litt unter der erzwungenen Pause – Schlüsselbeinbruch. In Gievenbeck etablierte sich Scheipers über die Jahre immer mehr. Dass er zum Pendler in Sachen Sport wurde, akzeptiert er. „Der Verein ist für mich nach acht Jahren ein zweites Zuhause geworden.“ Nach dem Fach-Abi auf dem Hermann-Emanuel-Berufskolleg in Steinfurt trat er Mitte 2023 eine Ausbildung zum Kaufmann für Groß- und Außenhandel bei der Westfalenland Fleischwaren GmbH in Münster an. Damit ist er durch und bildet sich seit Anfang März doppelgleisig weiter – mit einem Teilzeitstudium. An der FOM Hochschule ist er für den Bachelor-Studiengang Business Administration eingeschrieben und zugleich – wie verlangt bei dieser Art von Studium – 20 Stunden je Woche beruflich gefordert. In Greven bei „studio be“, einer Agentur für visuelle Kommunikation, ist Scheipers in der Buchhaltung tätig. Gut zu tun hat er mithin, aber das hat der auf allen Feldern Ehrgeizige so gewollt.

    Foto: m.b.sportphotos

    #AUSPURERFREUDEAMSPIEL