49er Story: Tom Sikorski

Sikorski gab Anfang April sein langersehntes Comeback - nach 17 Monaten Leidenszeit
Artikel vom 22. Mai 2026
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Von Thomas Austermann
Diese ewigen Fragen nach seinem Gesundheitszustand müssen ihn genervt haben. Tom Sikorski (Foto) stand in den letzten Jahren öfter in Zivil neben dem Platz als im Trikot auf dem Grün. Der trotzdem jedem Fragesteller gegenüber immer freundliche FCG-Zugang aus dem Sommer 2024 schaffte es, sich während seiner schon jahrelangen Verletzungshistorie mit dem passenden Mindset zu wappnen. „Im Alter von 19 oder 20 wäre ich ins tiefe Grübeln gestürzt. Jetzt aber ist mein Fokus ein anderer und ich empfinde die Situation als weniger schlimm“, sagt der 24-Jährige. Der Jura-Student büffelt sich nämlich diszipliniert und interessiert durchs Pflichtprogramm an der Uni Münster. Im April 2027 soll das erste Staatsexamen abgelegt werden. Das zweijährige Referendariat folgt dieser ersten Prüfung.
Ein Mecklenbecker ist er noch immer, im Wackerdress lernte der Knirps das Kicken und fiel mit der Zeit jenen auf, die sich umsehen nach Talenten. Preußen Münsters „Fahnder“ Andreas Lübke sprach die Eltern des Kreisauswahlspielers an und loste ihn 2013 zum Traditionsclub. Mit dem Wechsel aufs Großfeld im C-Junioren-Alter machte sich fehlende Athletik bemerkbar bei dem Schlacks. „Als älterer C-Junior war ich 1,83 m lang, wog aber nur ungefähr 60 kg. Ich hatte quasi gar keine Muskeln.“ Bis die passend wuchsen, dauert es. Als Altjahrgang auf den folgenden SCP-Stationen kam er jeweils besser und bestens klar. 2020/21 musste auch Sikorski das von der Pandemie nachhaltig getrübte Jahr überstehen – wie seine damaligen Mitspieler Jano ter Horst (SCP-Profi), Jakob Korte und Luis Frieling (beide FC Gütersloh) sowie FCG-Kollege Malte Wesberg. Die von den Coronafolgen geprägte (Oberliga-) Serie 21/22 startete für den Newcomer im Seniorenbereich des SCP mäßig glücklich. Eine Schambein-Entzündung koste ihn rund vier Monate. Innenverteidiger Sikorski musste sich wieder herankämpfen.
22/23 machte er in Kieran Schulze-Marmelings bestens besetzter Preußenmannschaft in 22 Partien mit. „Oft als Einwechsler, was völlig in Ordnung war angesichts der Qualität des Kaders. Es gab einfach bessere Innenverteidiger.“ Die Elf wurde Rangzweiter, aber den Aufstieg plante der Club bekanntlich nicht. Sikorski wurde von Januar bis April 23 von einer Achillessehnenentzündung gehandicapt. Das nächste böse Pech ereilte ihn dann im Oktober 23 und sorgte dafür, dass Sikorski in 23/24 nur in fünf Spielen aktiv sein durfte. „Dabei wollte ich wirklich nochmal angreifen und meine Perspektiven bei den Preußen austesten.“ Im Training krachte es im linken Sprunggelenk, ein Knochenmarködem („Bone Bruise“) wurde diagnostiziert. Die sehr schmerzhafte Flüssigkeitsansammlung im Knochen muss auskuriert werden. Das dauert.
Den Wechsel zum FCG vollzog er gleichwohl im Sommer 2024 und alle wussten, welche Verletzungsakte vorlag. Eine OP durch FCG-Teamarzt Dr.Sebastian Klingebiel, der im Gelenk u.a entzündetes Gewebe entfernte, schaffte Linderung. „Ich fühlte mich wie neu und das Innenband war stabil.“ Heute weiß Sikorski, dass er von anderen Fachleuten zuvor nicht wirklich passend beraten wurde. „Ich bin froh, dass ich zu ,Klinge` ein echtes Vertrauensverhältnis aufbauen konnte“. Das Ende seiner Leidenszeit wurde erneut hinausgeschoben. Nach wenigen Einsätzen plagte ihn ab November 2024 ihn eine Entzündung am Sitzbein (Knochen des Beckens), wohl als Reaktion auf eine zu frühe Wiederbelastung. Wieder Ruhe, wieder Reha, wieder bloßes Zugucken. Monat für Monat. Vom letzten Einsatz am 3. November 2024 zog sich das bis zum 2. April 2026 und dem wirklich besonderen Sechs-Minuten-Comeback gegen Vreden. Das wurde vom Kader regelrecht zelebriert.
Durchaus abgeklärt und realistisch im Wissen darum, „dass bei mir nichts kaputt gegangen ist“, blickt Sikorski auf die Ursachen und Auswirkungen der Auszeiten. „In der Reha hab‘ ich Männer getroffen, die von wirklich krassen Sachen betroffen waren.“ Er ging oft in die Praxis von Physio Joschka Krummenerl und dankt heute dem ebenfalls für den FCG tätigen Physiotherapeuten Tim Beckenhusen, „der mir in vielen Gesprächen sehr half, vom Kopf her klar zu kommen.“ Ebenso dienlich waren die (Reha-) Treffen mit anderen Unglücksraben. FC Eintracht Rheines Pierre Pinto, ein Ex-Preuße und längst ein Freund von ihm, Keeper Roman Schabbing (FC Gütersloh) und dito einst Adlerträger sowie nicht zuletzt Gievenbecks Offensivspieler Timon Tenambergen plagten sich auch als Rekonvaleszenten. „Zu hundert Prozent versteht einen nur derjenige, dem es ebenso ergeht wie einem selbst“, ist Sikorski sicher. Er trifft die anderen Jungs gerne wieder. Am besten auf dem Platz.
Foto: m.b.sportsphotos
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