Zum Hauptinhalt springen

49er Story 3: Marvin Holtmann und seine neue Rolle

Vom Gedanken übers Aufhören zum Co- Trainer der Ersten Mannschaft

Artikel vom 1. Oktober 2026

Der Artikel wird präsentiert von:

    Von Thomas Austermann

    Noch immer weist Marvin Holtmanns Einsatzbilanz mehr Oberligaspiele für den FC Eintracht Rheine (71) als den FCG (53) aus. Dabei geht der mit 30 Jahren inzwischen Team-Älteste in seine vierte Spielzeit mit Gievenbecks Erster. Wer die Karriere des defensiven Mittelfeldspielers etwas verfolgt hat, kennt die Gründe für das scheinbare Missverhältnis. Wiederholt setzte der Kämpfer verletzungsbedingt über längere Phasen aus. Dass er trotzdem nochmal verlängerte, hat mit der für ihn reizvollen zweiten FCG-Perspektive zu tun. Und zwar entscheidend.

    „Ich habe im letzten November wirklich daran gedacht, dass es jetzt reicht und ich aufhören werde“, sagt Holtmann ehrlich. Im Westfalenpokalspiel der Vorsaison gegen den SC Verl war er für den verletzten Henrik Winkelmann eingesprungen und durfte nur 43 Minuten mitwirken, ehe er sich das Knie verdrehte. „Jetzt ist es endgültig kaputt, das schoss mir durch den Kopf.“ Es traf ihn just an dem Gelenk, an dem er sich im Rheinenser Dress im November 2021 das Kreuzband riss. Vier Jahre später wurde er nicht operiert. „Das Knie wurde nicht dick, nach ein paar Tagen konnte ich sogar wieder mit dem Rad fahren.“ Holtmann kurierte den Schaden tatsächlich ohne Eingriff aus. Und ließ sich die dafür gebotene Zeit.

    Geduld aufzubringen nach heftigen Rückschlägen wurde seine Tugend. In Rheine ackerte er sich wieder ran an die Wettbewerbsfähigkeit, in Gievenbeck bereits nach einer Pause im kompletten ersten Halbjahr 2024. Damals warf ihn ein derber Bänderschaden im Sprunggelenk aus der Bahn, zugezogen im Februar auf Kunstrasen im Spiel beim FC Brünninghausen. In der Serie 24/25 kam Holtmann auf 26 Einsätze und 1500 Liga-Minuten und unterstrich seinen Wert als Mentalitätsspieler in der Zentrale, der sich einer Aufgabe absolut widmen kann und diese zweikampf- wie willensstark ausfüllt.

    Holtmann verwarf seine Überlegungen zum Karriere-Ende, denn Jens Truckenbrod und die beiden Trainer kamen mit dem Vorschlag auf ihn zu, spielender Co-Trainer zu werden. „Ich hatte das selbst schon mal im Hinterkopf, mich mit dem Einstieg in die Trainerschiene zu beschäftigen.“ Umso besser, dass andere diese Perspektive auch als solche erkannten. „Es gab auch andere Optionen für mich, aber diesen Einstieg hier in Gievenbeck machen zu können, ist top.“ Das erwähnte Trio habe „sehr cool“ kommuniziert und vor allem keinerlei Druck aufgebaut, was die Belastbarkeit des Spielers Holtmann angeht. „Ich kann von Torsten Maas und Steffen Büchter jede Menge lernen. Genau das reizt mich.“ 

    Wenn Büchter als Weltreisender ab dem Herbst ein paar Monate fehlt, greifen Holtmann und – wie im 49er bereits beschrieben – Julian Conze ein, um Maas zu assistieren. Ein jeder ins seinem Bereich. Holtmann widmet sich dem Thema Standards – wie genau möchte der nächste Gegner diese nutzen, kann man Muster erkennen, wie verhält man sich am besten dagegen und wie bringt der FCG andererseits seine ruhenden Bälle so scharf und ideenreich vor den Kasten des Kontrahenten, dass daraus etwas entspringt? „In die Video-Analysen des Gegners muss ich noch reinwachsen“, sagte Holtmann. „Da hilft mir Torsten schon sehr effektiv.“ Freitags beim Abschlusstraining werden in der Regel die eigenen Standards durchgespielt.

    Dass der FCG seine Ecken so schlägt, wie geplant, ist erkennbar. Linksfuß Niklas Klinke hier und Rechtsfuß Fabian Witt von der anderen Seite sind die ausgemachten Ausführenden, die den Ball bestens bringen können. „In der Oberliga gibt es so viele enge Spiele, dass Standards wirklich entscheiden können“, weiß Holtmann um den Wert dieser Szenen. Ganz verdingliche Vorschriften gibt Holtmann nicht als Leitfaden aus. Bewusst nicht. „Die Jungs sollen selbst kreativ werden und Verantwortung übernehmen. Wenn sie auf dem Platz die Situation anders wahrnehmen als wir draußen, können sie entscheiden, was gemacht wird.“ Die Vorbereitung aber muss stimmen. „Alle merken, dass es wichtig ist, das Thema konzentriert anzugehen. Die Mannschaft nimmt die Einheiten dazu sehr gerne an.“

    Und alle freuen sich, wenn etwa Jelke Elferink im Pokalspiel gegen den TuS Hiltrup nach Eckballhereingabe per Kopf trifft - oder Fabian Witt in Clarholz nach Rückraum-Variante sehenswert in den Winkel zielt. Realschullehrer Holtmann, der im Kreuzviertel wohnt und zu seiner Stelle nach Hamm-Heessen per Zug pendelt, strebt selbstverständlich danach, als routinierter Spieler wieder an den Ball zu kommen. „Ich sehe mich in erster Linie als Akteur, ganz klar.“ Die ersten Schritte als Co-Trainer aber, zu denen selbstredend interne Besprechungen über dies und das gehören, macht er gerne. „Langfristig ist ein Trainer-Dasein schon mein Ziel.“

    #ZUSAMMENFCG